Wissualisierung

Konzeption, Umsetzung und Präsentation computerunterstützter Wissensvermittlung

1.1 Aktualität des Themas

„Präsentationen sind allgegenwärtig, ob in den Wissenschaften, im ökonomischen oder privaten Bereich, wer in der Wissensgesellschaft Wissen zeitgemäß kommunizieren möchte, tut dies mit Laptop, Beamer und einer speziell dafür vorbereiteten Präsentation“ (Pötzsch, Schnettler 2006, S. 194). Aufgrund der weiten Verbreitung und des Einsatzes über nahezu alle Disziplinen hinweg, ist es verwunderlich, dass Präsentationen innerhalb der Visualisierungsdebatte und dem „iconic turn“ nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen haben und wenig empirisches Forschungsmaterial vorliegt (Pötzsch, Schnettler 2006, S. 194). Die Präsentation war zwar bisher nur ein Randthema in der Forschung, sie hat aber eine Welle der Erregung bei facheinschlägig Betroffenen ausgelöst und ist in unzähligen kultur- und technikkritischen Beiträgen in den Feuilletons besprochen worden (Pötzsch, Schnettler 2006, S. 194). Eine umfassende Sammlung an Beiträgen in deutschsprachigen Medien haben Pötzsch/Schnettler (2006) zusammengestellt. Mertens hat die Diskussion in Amerika und deren Protagonisten in seinem Dossier „Die Debatte um PowerPoint“ (Mertens) erfasst. In diesem Kapitel wird eine Auswahl von AutorInnen und KünstlerInnen zitiert, die das Bild von Powerpoint in der Öffentlichkeit besonders medienwirksam geprägt haben. Ian Parker hat 2001 im New Yorker in seinem Aufsatz „Absolute PowerPoint“ die provokante Frage gestellt “Can a software package edit our thoughts?“ (Parker 2001), um drei Absätze weiter selbst die Antwort darauf zu geben: “It is by definition a social instrument, turning middle managers into bullet-point dandies“ (Parker 2001). Edward Tufte, der u.a. Informationsdesign und Interface Design lehrte, ist der Frage nachgegangen, worin das Problem von Powerpoint besteht und wie man Präsentationen verbessern könnte (Tufte 2006, S. 3). Es wird ziemlich bald klar, dass bei ihm die Antwort im kompletten Verzicht auf Präsentations-Software liegt, indem man einfach wieder über das ‚business‘ redet und so von einer einseitigen Orientierung auf die PräsentatorIn zu einem interaktiven Zusammenspiel von SprecherIn und Publikum kommt (Tufte 2006, S. 3–4). Der Medienkünstler, Oscar-Preisträger und Frontmann der legendären New-Wave-Post-Punk-Art Rock-Band „Talking Heads“ hat PowerPoint als kreatives Werkzeug benutzt und die surrealsten Powerpoint-Vorträge aller Zeiten entwickelt (Braiker 2004). In den deutschsprachigen Medien ist der Diskurs zum Teil von Kulturpessimismus getragen. So sieht Josef Joffe den geistig-kulturellen Untergang des Abendlandes durch PowerPoint implementiert (Joffe 26.07.2007). Mertens und Leggewie halten dem entgegen, dass sich die gesellschaftlichen Strukturen von einer Produktions- zu einer Wissensgesellschaft hin verändert haben, was mit sich bringt, dass vermehrt Daten gesammelt, ausgewertet, aufbereitet und vermittelt werden müssen und PowerPoint gerade dafür ein geeignetes Werkzeug ist (Mertens, Leggewie 2004).
Powerpoint ist ein Muss geworden, und das hat bei manchen zu einer Art Resignation geführt, denn es würde schon fast etwas Anstößiges haben, wenn man in ‚corporate America‘ (und nicht nur dort) bei einem Meeting ohne Powerpoint erscheinen würde, “(…) like wearing no shoes“ (Parker 2001).