Wissualisierung

Konzeption, Umsetzung und Präsentation computerunterstützter Wissensvermittlung

6.1 Zusammenfassung der Resultate

Die drei Hauptbereiche einer Präsentation sind nach „Presentation Zen“ die Vorbereitung, das Design und die Vermittlung. Zur Vorbereitung zählen die analoge Planung, das Schreiben eines eigenen Handouts, das Erfinden einer Geschichte und das Erstellen einer Struktur und eines Storyboards. Die Planung mit analogen Mitteln wird von Reynolds als essenziell angesehen, spielt aber in der Praxis keine Rolle. Die Befragten denken zwar nach und überlegen zuerst, aber Ideen und Inhalte werden nicht auf Papier festgehalten, sondern in Powerpoint oder einer Textdatei gespeichert. Auch das Herausarbeiten einer Kernaussage hat keine Relevanz, lediglich eine Person erwähnt, dass sie „key messages“ gestaltet. Alle anderen Befragten gehen so vor, dass sie Inhalte, teilweise auf unterschiedliche Folien verteilt, sammeln und nacheinander ausarbeiten. Oder es wird zuerst ein Vortrag erstellt und aus diesem werden die wichtigsten Zitate herausgenommen und auf Folien kopiert. Von keiner befragten Person wird ein eigenes, in vollständigen Sätzen ausformuliertes Handout erstellt. Für Reynolds sollten Folien nicht ohne die Sprecherin funktionieren und nicht auch noch zusätzlich die Funktion eines Handouts oder eines Stichwortzettels erfüllen müssen. Für die Befragten gehört das zur täglichen Praxis, lediglich eine Person sagt, dass es wertlos sei, Folien auszudrucken. Struktur ist für alle Befragten ein zentraler Aspekt beim Erstellen einer Präsentation, wiewohl in der Praxis, entgegen den Empfehlungen in „Presentation Zen“, die Strukturierung direkt in Powerpoint erfolgt, lediglich eine Person zeichnet den „flow“ auf Papier auf.
Beim Thema Design setzt sich Reynolds mit der Visualisierung von Daten, der Verwendung von Logos, bullet points und Bildern und einigen Gestalt-Prinzipien auseinander. Zusammenfassend kann aus „Presentation Zen“ abgeleitet werden, dass eine gut gestaltete Folie aus einem formatfüllenden Bild und einer Zeile Text oder einem Zitat oder aus einem Diagramm mit einer Überschrift bestehen sollte. In der Praxis gehen die Vorstellungen über gutes Design weit auseinander. Folien mit einem den Bildschirm ausfüllenden Bild fallen genauso darunter, wie Folien mit Aufzählungspunkten (wenn sie aufgeräumt aussehen) und Text-Bild-Kombinationen, in denen der Bildanteil kleiner ist als der Bereich für den Text. Hinsichtlich der Verwendung eines Logos lässt sich deutlich erkennen, dass das jeweilige berufliche Milieu der befragten Personen eine Rolle spielt. In Wirtschaftsunternehmen und in der Verwaltung zählt das Verwenden eines Logos auf jeder Folie zum Standard, von Lehrenden wird nur selten ein Logo oder eine standardisierte Fußzeile eingesetzt. Eine große Differenz herrscht zwischen Literatur und Praxis, wenn es um das vieldiskutierte Thema bullet points geht. Während Reynolds vorschlägt, völlig auf Aufzählungspunkte zu verzichten und stattdessen bildhafte Visualisierungen oder Datenvisualisierungen mit nur einer Zeile Text oder einem Zitat einzusetzen, zählen Aufzählungen in der Praxis zur häufigsten Visualisierungsform. Jeder verwendet sie. Nur eine Person sagt, dass sie versucht nur selten Text auf Folien zu geben, sondern bestrebt ist, Themen bildhaft zu erschließen. Der Anteil bildhaft visualisierter Folien ist bei den Befragten eher gering, weil es entweder schwierig ist, geeignete Bilder zu finden oder Bilder nichts zur Aussage einer Präsentation beitragen oder weil nicht genügend Zeit zur Verfügung steht, um ein geeignetes Bild zu finden. Reynolds setzt Bilder formatfüllend auf die Folien, die befragten Personen lassen zumeist einen vom Layout vorgegebenen Rand frei oder die Bilder werden als Text-Bild-Kombinationen eingesetzt, bei denen der Bildanteil kleiner ist als der Textanteil. Reynolds bezieht seine Bilder aus einer Bilddatenbank, die Interviewten verwenden keine kostenpflichtigen Quellen, sondern benutzen die google-Bildersuche oder eigene Bilder.
In der Ratgeberliteratur und in der Praxis gibt es ähnliche Vorstellungen darüber, wie eine Präsentation vermittelt werden sollte. Als besonders wichtig für das Gelingen einer Präsentation wird die Ausstrahlung und die Kompetenz der vortragenden Person angesehen. Die vortragende Person sollte frei sprechen, Blickkontakt haben und mit dem Publikum interagieren.
Die Befragung darüber, wie die Interviewten zu ihrem Präsentationswissen gekommen sind, ergab, dass sie das Präsentieren hauptsächlich über die eigene Praxis und über das Anschauen anderer Präsentationen gelernt haben. Fast alle Befragten haben Praktikerliteratur, wie Webseiten oder Weblogs mit Tipps für die Gestaltung von Präsentationen, gelesen, aber nur zwei Personen haben Bücher zum Thema gelesen. Die Befragten visualisieren, weil es für die Vermittlung von Inhalten hilfreich ist und weil durch die Visualisierung Inhalte greifbarer und leichter verstehbar werden. Andere Medien, wie Flipchart oder Tafel, werden von mehr als der Hälfte der Befragten sehr gerne verwendet, weil sie eine spontane Form der Visualisierung vor dem Publikum ermöglichen. Die Zuhörenden können dadurch, dass sie an der Entstehung einer Visualisierung teilnehmen bzw. durch das gemeinsame Erarbeiten von Inhalten an der Visualisierung beteiligt sind, deren Zusammenhänge besser verstehen. Im Gegensatz dazu führen Powerpoint-Präsentationen beim Publikum zu einer passiven Haltung, es kommt selten zu einer Diskussion. Mehr als die Hälfte der Interviewten nehmen die Tendenz wahr, dass die Verwendung von Powerpoint-Präsentationen zurückgeht, sie präsentieren auch selbst weniger mithilfe computerunterstützer Visualisierungen und können sich vorstellen, sie auch manchmal ganz wegzulassen.