Wissualisierung

Konzeption, Umsetzung und Präsentation computerunterstützter Wissensvermittlung

5.3 Ratgeber zum Erstellen von Präsentationen

Die Aktualität des Präsentationsthemas schlägt sich auch auf dem Büchermarkt nieder. Der Suchbegriff „Powerpoint“ erzielt auf der deutschsprachigen Seite von Amazon in der Kategorie „Bücher“ 3.760 Ergebnisse (Mai 2010). Unter den Ergebnissen befindet sich das offizielle Handbuch „Microsoft Office PowerPoint 2007 - Das Handbuch: Das ganze Softwarewissen“ (2007), genauso wie unzählige Praxisratgeber, mit vielversprechenden Titeln wie „Perfekt präsentieren mit Microsoft Office PowerPoint 2007“ (2007), oder „PowerPoint 2007: Präsentieren ganz einfach“ (2007). Diese Handbücher und Anleitungen „(…) verfolgen vor allem das pragmatische Ziel, in den Umgang mit Präsentationen einzuführen, die Beherrschung der notwendigen Techniken zu ermöglichen und deren Durchführung zu optimieren. Es handelt sich um normative Literatur, die weniger beschreibt und analysiert als vielmehr vorschreibt und empfiehlt“ (Schnettler et al. 2007, S. 14). Schnettler/Knoblauch/ Pötzsch (2007) verweisen auf den unbestrittenen Wert dieser Literatur, weil sie vielfach auf einer eingespielten Kompetenz beruht. Es zeigt sich aber auch eine deutliche Differenz zwischen den normativen Vorstellungen über die Präsentation und ihren Realisierungen in der Praxis (Schnettler et al. 2007, S. 14). Diese Differenz spielt auch in der empirischen Analyse der vorliegenden Arbeit eine Rolle. Es wird untersucht, welche konkreten Herangehensweisen in der gegenwärtigen Präsentationspraxis Anwendung finden und sich als „common knowledge“ durchgesetzt haben, und welche Empfehlungen sich nicht etablieren konnten. Für die Analyse wurden drei Präsentationsratgeber gelesen, wobei das Buch „Presentation Zen“ das Ausgangsmaterial bildet und die beiden anderen Ratgeber nur zum Vergleich herangezogen wurden, um die Verallgemeinerbarkeit der Regeln aus „Presentation Zen“ zu überprüfen. Alle drei AutorInnen bieten einerseits konkrete Gestaltungshinweise an, versuchen aber auch eine ganzheitliche Sicht auf das Thema zu erarbeiten. Sie vertreten die Ansicht, dass Aufzählungslisten, obwohl sie die am häufigsten verwendete Darstellungsform in visuell unterstützen Präsentationen sind (siehe Kapitel 4.3), eine seltene Ausnahme bleiben sollten (Reynolds 2008, S. 131, Duarte 2008, S. 150–151, Atkinson 2008, S. 44–47), weil es wirkungsvollere Darstellungsform gibt, wie den Einsatz vollflächiger Bilder mit wenig Text. Diese Bilder sollten die Geschichte, welche mit einer Präsentation erzählt werden soll, visuell unterstützen (Reynolds 2008, S. 132–135, Atkinson 2008, S. 58, Duarte 2008, S. 7). Ein weiterer übereinstimmender Punkt der drei AutorInnen ist, dass Folien nicht drei Zwecke gleichzeitig erfüllen können sollten, nämlich Folien, Notizen und Handout in einem zu sein, sondern dass diese drei Komponenten als eigenständige mediale Formen unterschiedliche Anforderungen an die inhaltliche Aufbereitung und grafische Gestaltung stellen (Reynolds 2008, S. 66–70, Duarte 2008, S. 6, Atkinson 2008, S 79).