Wissualisierung

Konzeption, Umsetzung und Präsentation computerunterstützter Wissensvermittlung

4.1 Der Stand der Forschung

Es gibt zwar eine unüberschaubare und ständig anwachsende Zahl an Handbüchern und Anleitungen, die das Ziel verfolgen, in den Umgang mit Präsentationen einzuführen und die Beherrschung der notwendigen Techniken zu ermöglichen, aber kaum systematische Untersuchungen dieser Kommunikationsform (Schnettler et al. 2007, S. 14). Schnettler/Knoblauch/Pötzsch (2007) verweisen darauf, dass die sozial-wissenschaftliche Forschungsliteratur lückenhaft und spärlich sei, auch in den einschlägigen Gebieten der Psychologie, Soziologie, Linguistik, Medien- und Kommunikationswissenschaft herrsche ein offenkundiges Forschungsdefizit, während vor allem AutorInnen aus naturwissenschaftlichen Spezialdisziplinen wie Biochemie, Anatomie und kosmetische Chirurgie zu diesem Thema publiziert haben. Die spärlich vorhandenen Studien in pädagogischen, medizinischen und wirtschaftsnahen Disziplinen gelangen zu höchst heterogenen und widersprüchlichen Ergebnissen5 (Schnettler et al. 2007, S. 15–18). Beispielsweise folgern Bartsch/Cobern (2003) aus ihren Experimenten, dass grafische Darstellungen, die in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit der Präsentation stehen, das Lernen negativ beeinflussen können, weil sie eine verwirrende und ablenkende Wirkung haben. Sinnvoll ausgewähltes Bildmaterial hat hingegen weder einen positiven noch einen negative Auswirkung auf das Lernen. Dennoch können grafische Darstellungen förderlich sein, wenn beispielsweise das Lernmaterial komplizierter ist oder die Studierenden wenig Vorwissen haben (Bartsch, Cobern 2003, S. 84). Für den Radiologen Daffner (2003) ist PowerPoint ein praktisches Werkzeug um Daten zu präsentieren. Er gibt Tipps für die Erstellung von Folien: Der Hintergrund sollte dunkel sein, mit einer hellen Schrift, die groß genug sein sollte, damit man sie gut lesen kann. Auf einer Folie sollten nicht mehr als sieben Zeilen Text, inklusive Überschrift und Unterüberschriften stehen, außerdem sollte eine Folie maximal vier Bilder enthalten (Daffner 2003, S. 47). Der kosmetische Chirurg Niamtu (2004) sieht den einzigen und wichtigsten Vorteil der digitalen Präsentationstechnologie in der Möglichkeit Videos zu integrieren. “One cannot totally appreciate performing a cosmetic procedure from still images in the same manner as real-time video” (Niamtu 2004, S. 84). Seiner Ansicht nach liegt der beste Weg PowerPoint zu erlernen darin, sich mit dem Programm einmal „herumzuspielen“ (Niamtu 2004, S. 83). Sloboda (2003) beschreibt PowerPoint als einfach zu handhabendes Werkzeug, mit dem man Präsentationen effektiver machen kann, wiewohl er einräumt, dass schlecht gestaltete Folien einem Vortrag durchaus auch schaden können (Sloboda 2003, S. 21).
Für die vorliegende Arbeit werden in der Hauptsache wissenschaftliche Forschungsergebnisse zur Untersuchung von Präsentationen herangezogen, die im Zuge eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojektes entstanden sind und in dem Band „Powerpoint-Präsentationen“ (Schnettler 2007a) publiziert wurden. Für das von Knoblauch und Schnettler geleitete Forschungsprojekt stand die Performanz als situative, prozesshafte Realisierung kommunikativen Handelns im Vordergrund (Schnettler et al. 2007, S. 20). Eine weitere Quelle bildet der Sammelband „PowerPoint“ (Coy 2009) in dem Fragen ‚im Spannungsfeld von Informatik, Medien-, Kunst- und Kultur-wissenschaften‘ von ExpertInnen beantwortet werden. Die AutorInnen gehen davon aus, dass Wissen und Erkenntnis elementar mit der Art ihrer Darstellung verbunden sind. Damit ist eine Darstellung gemeint, die grundlegend daran beteiligt ist, wie sich das Dargestellte konstituiert (Coy, Pias 2009, S. 11–12).

  • 5. Eine kommentierte Zusammenfassung von wissenschaftlichen Untersuchungen bieten Schnettler/Knoblauch/Pötzsch in der Einleitung ihres Sammelbandes (Schnettler, Knoblauch 2007a, S. 15–18).