Wissualisierung

Konzeption, Umsetzung und Präsentation computerunterstützter Wissensvermittlung

3.3 Cognitive Theory of Multimedia Learning

Richard E. Mayer hat in den letzten zwanzig Jahren wissenschaftliche Studien zum Thema ‚multimedia learning‘ durchgeführt. Nach Mayer befasst sich multimediales Lernen mit dem Potenzial, das darin steckt, Wörter und Bilder in Kombination zu verwenden, um das Lernen zu fördern (Mayer 2009, S. 5). Im Zentrum seiner Arbeit steht die Aussage “People learn better from words and pictures than from words alone“ (Mayer 2009, S. 1). Die Cognitive Theory of Multimedia Learning basiert auf drei theoretischen Konzepten. Erstens dem in Paivio’s ‚dual-coding‘ Theorie repräsentierten ‚dual channel‘ Modell, nach dem der Mensch verschiedene mentale Repräsentationen für verbale und bildhafte Informationen hat (Mayer 2009, S. 9). Zweitens dem Konzept der ‚limited capacity‘ des menschlichen Arbeitsgedächtnisses zur Verarbeitung von Informationen (siehe auch Kapitel 3.2) und drittens dem ‚active learning‘, worunter die kognitive Aktivität im Lernprozess zu verstehen ist (Mayer 2009, S. 21–23). Lernen ist ein individueller Prozess, bei dem es darum geht, das präsentierte Material in eine kohärente mentale Repräsentation zu integrieren. Lernen erfordert Aktivität von der lernenden Person, weil der Aufbau von Wissen ein Konstruktionsprozess ist, bei dem Sinn erzeugt wird. Wissen kann im Gegensatz zu Information nicht in ein und derselben Form von einem Menschen zum anderen weitergegeben werden, deshalb gibt es auch unterschiedliche Lernergebnisse bei ein und demselben Lernstoff. Das Konzept des Lernens hat sich in den letzten Jahren verändert: Vom Ziel, durch Lernen Inhalte erinnern und wiederholen zu können, hin zum Fokus auf das Verstehen von Inhalten und das Anwenden des Gelernten (Mayer 2009, S. 17–21).

Aus den vorgestellten Theorien kann nicht abgeleitet werden, dass eine multimediale und multikodale Wissensvermittlung das Lernen automatisch fördert. Weidenmann verweist darauf, dass die Gestaltung medialen Lernangebotes darauf abzielen sollte, dass sich Lernende mit dem Lerngegenstand aktiv auseinandersetzen. Der Lerngegenstand sollte medial optimal präsentiert werden und die mediale Unterstützung sollte die Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand optimieren. Lernende sollten mit dem Inhalt arbeiten, aber die Anstrengung, die notwendig ist, um den Inhalt zu erfassen, sollte so gering wie möglich sein (Weidenmann 2002, S. 62).

Im nächsten Kapitel wird die Präsentation als Gattung mit all ihren Merkmalen und Besonderheiten thematisiert. Der gegenwärtige Stand der Forschung und die Vorgaben, die man beim Erstellen einer Präsentation berücksichtigen sollte, werden dargestellt.